Pilotprojekt für Wiesenbrüterschutz

Vogelschutzgebiet "Nördliches Erdinger Moos"

Flughafen München startet Pilotprojekt für Wiesenbrüterschutz

02.11.2016

Der Flughafen München ist Teil des 4.525 Hektar großen Vogelschutzgebiets „Nördliches Erdinger Moos“ – einem der bedeutendsten Lebensräume für Wiesenbrüter in Bayern. Um den Bestand gefährdeter Vogelarten wie dem vom Aussterben bedrohten Großen Brachvogel oder dem Kiebitz in Zukunft noch effektiver zu sichern, hat die Flughafen München GmbH mit fachlicher Unterstützung des Bayerischen Umweltministeriums jetzt ein Pilotprojekt zum Wiesenbrüterschutz ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Lebensräume der Vögel weiter zu sichern und zu verbessern.

Ministerin Scharf: »Sieben von neun Wiesenbrütern vom Aussterben bedroht«

Das Projekt »Wiesenbrüterschutz im Bereich des Flughafens München« hat zum Ziel, die Lebensräume von Wiesenbrütern rund um den Airport zu sichern und zu verbessern. Die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf betont: »Die biologische Vielfalt steht unter Druck. Der Artenschutz stellt die gesamte Gesellschaft vor große Herausforderungen. Sieben der neun bayerischen Wiesenbrüterarten sind vom Aussterben bedroht, zwei Arten stark gefährdet. Mit der Wiesenbrüter-Agenda gibt es eine schlagkräftige Gesamtstrategie. Das Wiesenbrüter-Projekt am Flughafen leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz unserer heimischen Fauna.«

Flughafenwiesen besonders artenreich und wertvoll

Der Münchner Airport führt seit Jahren eine ganze Reihe von freiwilligen Naturschutzmaßnahmen durch, die auch den bedrohten Wiesenbrüterarten zugutekommen. »Wir nehmen die Verantwortung, die mit der Lage des Flughafens innerhalb des Europäischen Vogelschutzgebietes verbunden ist, sehr ernst«, erklärt Dr. Michael Kerkloh, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH. »Das Pilotprojekt mit dem bayerischen Umweltministerium ergänzt und erweitert unser langjähriges Engagement im Naturschutz.«

So unterstützt der Airport beispielsweise seit Anfang des Jahres den Umweltpakt Bayern mit einem freiwilligen Projekt zum Schutz von Moorschmetterlingsarten im »Freisinger Moos«. Aber auch innerhalb des Flughafenzauns auf den nährstoffarmen und artenreichen Flughafenwiesen entlang der Start- und Landebahnen betreibt die Flughafen München GmbH bereits seit über zwei Jahrzehnten erfolgreich ein spezielles Biotopmanagement.

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76 Brachvogel-Brutpaare am Flughafen

Mit jährlich weit über 50 Brutpaaren gehört der Flughafen mittlerweile zu den bedeutendsten Brachvogelgebieten Bayerns, 2015 wurde hier mit 76 Brutpaaren sogar der bayernweit größte Bestand festgestellt. Auch die Entwicklung der Kiebitzpopulation ist auf den Flughafenwiesen seit Jahren sehr positiv.

Im Vogelschutzgebiet außerhalb des Flughafengeländes sind die Bestandszahlen aller Wiesenbrüter – vor allem beim Kiebitz – jedoch rückläufig. Im Jahr 2006 brüteten 366 Kiebitzpaare im Schutzgebiet außerhalb des Flughafenzauns, 2015 waren es nur noch 125. Die Hauptursachen für diesen Rückgang liegen vor allem im Verlust geeigneten Lebensraums, der nicht zuletzt durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung der Flächen verursacht wird.

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Zahlreiche Schutzvorkehrungen

Im Rahmen des Pilotprojekts werden in den kommenden fünf Jahren auf bis zu 50 Hektar landwirtschaftlich genutzten Flächen Schutzvorkehrungen und Maßnahmen zur Förderung der Wiesenbrüter entwickelt und getestet. Aus den gewonnenen Erkenntnissen soll im besten Fall ein übertragbares Konzept für vergleichbare Projekte im Freistaat abgeleitet werden. Zu den Maßnahmen zählen neben dem Nesterschutz, der extensiveren Bewirtschaftung und einer wiesenbrütergerechten Mahd auch die Einzäunung als Schutz vor Fraßfeinden sowie die Ausarbeitung von ökologischen Pachtverträgen, die entsprechende Bewirtschaftungsauflagen enthalten.

Ziel des Pilotprojekts ist es, den Wiesenbrüterschutz im Bereich des Münchner Flughafens mit einer praxistauglichen, angepassten und betriebswirtschaftlich tragfähigen Bewirtschaftung zu vereinen. Naturschutz und Landwirtschaft sollen sich nicht ausschließen, sondern vielmehr im Sinne einer ökologisch verantwortlichen Nutzung der betreffenden Flächen ergänzen.