So wenig wie möglich

So wenig wie möglich

Wie das ausgeklügelte Wasser-Management am Münchner Flughafen funktioniert

16.11.2015
Der Flughafen München verfolgt seit seiner Inbetriebnahme 1992 die Strategie des schonenden, sparsamen und im Sinne kommender Generationen verantwortlichen Umgangs mit natürlichen Ressourcen. Von besonderer Bedeutung ist dabei das Wassermanagement. Es hat zum Ziel, alle Einwirkungen durch Gewässerbewirtschaftung, Entwässerung sowie Trink- und Löschwasserversorgung auf ober- und unterirdische Gewässer so schonend zu gestalten, dass der Wasserhaushalt so wenig wie möglich beeinflusst und seine Leistungsfähigkeit langfristig gewahrt bleibt. Die entscheidenden Handlungsfelder dabei sind die Reduzierung des Trinkwasserverbrauchs sowie ein ausgefeiltes Abwassermanagement.

Hochstehendes Grundwasser

Die Lage des Flughafens München im nördlichen Erdinger Moos mit dem dort hoch anstehenden Grundwasser führt dazu, dass dem Gewässer- und Hochwasserschutz eine besondere Bedeutung zukommt – insbesondere vor dem Hintergrund der Klimaveränderungen. Zudem ist ein bewusster und sparsamer Umgang mit Trinkwasser Voraussetzung für eine nachhaltige und langfristig gesicherte Lebensgrundlage und Entwicklung des Flughafens. In der Praxis bedeutet das im Wesentlichen:

- den Abwasseranfall zu minimieren

- unterschiedlich belastete Abwasserströme bereits am Entstehungsort zu trennen, separat zu behandeln und zu entsorgen

- Trinkwasser nur dort zu verwenden, wo Trinkwasserqualität benötigt wird

- Abflüsse durch die Versiegelung von Flächen infolge von Erweiterungsmaßnahmen am Flughafen ohne Erhöhung der Abflussspitzen zurückzuhalten

- den Zustand des Grundwassers innerhalb und in der näheren Umgebung des Flughafens qualitativ und quantitativ sowie den Zustand der oberirdischen Gewässer biologisch und chemisch dauerhaft zu überwachen, um die Wirksamkeit der Umweltschutzmaßnahmen aufzuzeigen und zu dokumentieren

Abwasserkonzept

Das Trennen, Behandeln und Entsorgen unterschiedlich belasteter Abwasserströme bildet den Kernpunkt des Abwasserentsorgungskonzepts am Flughafen. Es vermindert einerseits die Abwassermenge, die in der Kläranlage behandelt werden muss, und fördert andererseits einen naturnahen Umgang mit Niederschlagswasser vor Ort. Im Winterbetrieb anfallendes Enteisungsabwasser wird separat aufgefangen, teilweise über Filteranlagen behandelt und versickert beziehungsweise in einer Enteisungsabwasserbeckenanlage zwischengespeichert und dosiert der Kläranlage zur weiteren Behandlung zugeleitet.

Reduzierung des Trinkwasserverbrauchs

Um den Trinkwasserverbrauch zu reduzieren, werden wassersparende Armaturen in den Terminals verwendet. In Autowaschstraßen wird das Waschwasser nach einer Aufbereitung mehrfach genutzt. Der Betrieb des Feuerwehrübungsplatzes erfolgt überwiegend mit Niederschlagswasser als Löschwasser, das von den befestigten Flächen des Übungsplatzes gesammelt und anschließend gespeichert wird. Vor allem wird vermehrt oberflächennahes quartäres Grundwasser aus eigenen Brunnen anstelle von Tertiärgrundwasser aus tieferen Grundwasserhorizonten genutzt, um Straßen und Flugbetriebsflächen zu reinigen oder Baustelleneinrichtungen zu befeuchten und Gebäude zu klimatisieren. Zur Kühlung der Energiezentrale West können so pro Jahr bis zu 20 Prozent wertvolles Trinkwasser eingespart werden.

Hochwasserschutz

Die entlang des Flughafenzauns verlaufenden Bäche und Gräben leiten das Hochwasser aus den von Süden kommenden Gewässern um den Flughafen herum und führen es im Norden den bestehenden Gewässern wieder zu, sodass der natürlich vorhandene Abflusszustand nicht verändert wird. Darüber hinausgehende größere Hochwasserabflüsse gelangen über den neu geschaffenen Vorflutgraben Nord schadlos in die Isar. Das flughafeninterne Entwässerungssystem ist so konzipiert, dass Niederschlagsabflüsse bereits im Kanal und in Becken zurückgehalten, behandelt und dann gleichmäßig in Gewässer eingeleitet werden.

Erweiterungsmaßnahmen des Flughafens werden zu keiner Erhöhung der derzeit vorhandenen Abflussspitzen in den Gewässern führen. Unter Berücksichtigung möglicher Auswirkungen durch den Klimawandel sorgen entsprechend groß konzipierte Rückhalteeinrichtungen dafür, dass sogar extreme Abflüsse, die im langfristigen Mittel alle hundert Jahre auftreten, zurückgehalten werden können. Diese Vorkehrungen gewährleisten, dass weder Rückstau noch erhöhte Abflussspitzen bei Hochwasser südlich und nördlich des Flughafens gelegene Anwesen beeinträchtigen und der Flughafen selbst vor Hochwasser geschützt ist.

Überwachung des Zustands und der Qualität der Gewässer

Zur Sicherung der bestehenden wasserwirtschaftlichen Verhältnisse im Umgriff des Flughafens werden das Grundwasser sowie ausgewählte oberirdische Gewässer untersucht. Alle Maßnahmen werden in einem Jahresbericht dargestellt, bewertet und der Wasserbehörde vorgelegt. Die bisherige Beweissicherung des Grundwassers und der Gewässer zeigt, dass der Betrieb und Ausbau des Flughafens München keine nachteiligen Veränderungen verursacht haben. Untersucht werden:

- das Grundwasser quantitativ (über 300 Messstellen)
- das Grundwasser qualitativ (derzeit 32 Messstellen)
- Oberflächengewässer (derzeit 14 ausgewählte Stellen)