Ultrafeinstaub

Extrem klein

Umwelt-Experten am Flughafen setzen sich für intensivere Forschung zum Thema Ultrafeinstaub ein

29.09.2017

Das Thema Ultrafeinstaub erregt die Gemüter, auch rund um Flughäfen. Dabei ist über die Wirkung der extrem kleinen Partikel, die unter anderem bei Verbrennungsvorgängen entstehen, kaum etwas bekannt. Der Flughafen München setzt sich daher für eine Intensivierung der Forschung über Messmethoden und Wirkungsmechanismen ein.

Ultrafeinstaub besteht aus Partikeln mit einem Durchmesser von 3 bis zu 100 Nanometern, dies ist der unterste Bereich auf der Skala von 3 bis 10.000 Nanometern, die Feinstaub im Allgemeinen definiert. Ultrafeinstaub entsteht unter anderem – aber nicht nur – bei Verbrennungsvorgängen wie etwa in Automotoren oder in Treibwerken von Flugzeugen. Grundsätzlich gilt: je heißer die Verbrennung, desto kleiner die Partikel. Daneben entsteht Ultrafeinstaub etwa auch bei Kopierern und Druckern oder sogar ganz natürlich über Salzseen.

Auch natürliche Quellen für Ultrafeinstaub

Es gibt zwar bereits einige wissenschaftliche Studien über die Bildungsprozesse von Fein- und Ultrafeinstaub, aber die Wissenslücken sind nach wie vor groß. Eine Angabe über die häufigsten Partikelquellen ist hingegen schon möglich: Das Umweltbundesamt nennt Industrieprozesse als wahrscheinlich größte Quelle. Allerdings ist die Belastung stark abhängig von der Windrichtung, außerdem sind die winzigen Partikel sehr kurzlebig, weil sie sich leicht an andere Teilchen binden oder selbst durch Anlagerung von Gasen anwachsen.

Keine belastbaren Erkenntnisse über gesundheitliche Auswirkungen

Über die Wirkungsweise ist bislang wenig bekannt. Belastbare Erkenntnisse darüber, was die ultrafeinen Teilchen für die menschliche Gesundheit bedeuten, gibt es bisher nicht. Grundsätzlich kann Feinstaub über die Atemwege in die Lunge und den Körper gelangen. Ultrafeinpartikel könnten theoretisch über die Lunge auch in die Blutbahn kommen. Wie sich das auswirkt, ist allerdings vollkommen ungeklärt, die wenigen bisher durchgeführten Studien zur Gesundheitswirkung von Ultrafeinstaub auf den menschlichen Organismus sind nicht ausreichend. Daher ist eine fundierte Aussage zur so genannten Dosis-Wirkungsbeziehung bislang nicht möglich, aus diesem Grund gibt es weder auf europäischer noch auf deutscher Ebene einen Grenzwert für Ultrafeinstaub.

Straßenverkehr als eine der Hauptquellen

In Sachen Feinstaub gelten Flughäfen bisher als eher weniger bedenklich. Für Diskussionen haben aber zuletzt Messungen im Umfeld des internationalen Flughafens in Los Angeles geführt, bei denen Wissenschaftler deutlich erhöhte Werte beim Ultrafeinstaub feststellten. Diese Messungen werden auch von Bürgerinitiativen als Argument gegen die 3. Bahn am Flughafen München genannt. Allerdings lieferten die Messungen in Los Angeles keinen Beleg für die tatsächliche Quelle: Der gemessene Ultrafeinstaub könnte genauso gut auch vom Autoverkehr an diesem Flughafen stammen.

Permanente unabhängige Luftgüte-Messung am Flughafen München

Das Monitoring der Luftqualität ist seit vielen Jahren ein zentrales Thema für den Umweltbereich am Flughafen. Ein nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz zugelassenes Fachinstitut betreibt im Auftrag des Airports zwei stationäre und eine mobile Luftgüte-Messstation. Dort werden auch die Feinstaubwerte gemessen, für die gesetzliche Grenzwerte existieren. Die mobile Luftgüte-Messstation etwa stand bis vor kurzem für sechs Monate in Ismaning und erfasste dort rund um die Uhr die Belastung der Luft mit Feinstaubpartikeln. Das Resultat: Sämtliche Ergebnisse liegen deutlich unter den gesetzlichen Grenzen, die Luft in der Umgebung des Flughafens gleicht der in vorstädtischen und ländlichen Gebieten.

Mehr erfahren: Aktuelle Messwerte des »Luftgüte-Monitorings« (LuMo)

Bisher keine standardisierten Messverfahren

Der Flughafen München hat sich bereits mehrfach mit dem Thema Ultrafeinstaub befasst, kann aber bisher keine Messungen durchführen. Das liegt daran, dass es keine standardisierten Messverfahren für Ultrafeinstaub gibt. Die Messung dieser extrem kleinen Partikel ist äußerst kompliziert, und sowohl die Messung als auch die Auswertung der Daten erfordert fundiertes Fachwissen. Daher sind belastbare Messungen auch bislang nur in der Wissenschaft zu finden. Die Umwelt-Experten des Flughafens fordern daher seit langem neue, wissenschaftlich fundierte Messmethoden und -reihen. Eine Studie des Umweltbundesamts soll 2019 Klarheit über die Ultrafeinstaub-Problematik an Flughäfen bringen. Zudem wäre ein Vergleich zwischen dem Flughafen München und anderen Ballungspunkten des Verkehrs hilfreich.