Schmetterlingsschutz als Leuchtturmprojekt

Julia und die Schmetterlinge

04.07.2016

Julia Gotzler von der Umweltabteilung des Flughafens München hat ein Lieblingsprojekt: Sie schafft ein neues Zuhause für bedrohte Schmetterlingsarten aus dem Freisinger Moos. Dafür braucht sie viel Knowhow und einen langen Atem, denn Schmetterlinge sind sehr anspruchsvolle Bewohner.

Leuchtturm-Projekt

Ihre Schützlinge haben wohlklingende Namen: Es geht um das Wald-Wiesenvögelchen, den Randring-Perlmuttfalter sowie den Dunklen und den Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Diesen vier seltenen und bedrohten Moorschmetterlingen will Julia Gotzler ein neues, geschütztes Zuhause einrichten – auf dafür extra ausgewählten Grundstücken des Flughafens in der Region.

Die Maßnahme des Airports ist eines der Leuchtturm-Projekte im Rahmen des Umweltpakts Bayern, bei dem sich Wirtschaftsunternehmen in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsregierung für den Umweltschutz stark machen

Wohnraum für Schmetterlinge gesucht

Wie richtet man eigentlich einen geeigneten Wohnraum für Schmetterlinge ein? Als Laie könnte man sich das ja in etwa so vorstellen: "Wiese hin, Blumen drauf, fertig ist das Schmetterlingshabitat" - aber ganz so einfach sei es leider nicht, erklärt die diplomierte Landschaftsplanerin Gotzler. Jede der vier seltenen Schmetterlingsarten stellt ganz eigene Ansprüche an die Ausstattung ihres Biotops.

So bevorzugt der Randring-Perlmutterfalter beispielsweise Bachauen, Mulden und Quellsümpfe. Die Wiesenknopf-Ameisenbläulinge legen größten Wert darauf, ihren Lebensraum mit jeweils einer speziellen Ameisenart zu teilen (siehe letzten Abschnitt). Und das Wald- Wiesenvögelchen fühlt sich nur auf "wärmebegünstigten Moorwiesen-Brachen" richtig wohl.

Sehr individuelle Ansprüche

Um diesen individuellen Ansprüchen der künftigen Bewohner gerecht zu werden, hat Umweltexpertin Gotzler gemeinsam mit der Immobilienabteilung des Flughafens sechs geeignete Areale ausgesucht. Insgesamt ist die Projektfäche fünf Hektar groß.

Jetzt hat der Ausbau der Areale begonnen: Bestimmte Pfanzenarten wie Großer Wiesenknopf und Wiesenknöterich werden angepflanzt, in einzelnen Bereichen werden Gehölze entfernt und ein speziell auf die Bedürfnisse der Falter abgestimmtes Konzept für das Mähen wurde entwickelt. Für die Moorschmetterlinge entsteht ein 50.000 Quadratmeter umfassender, geschützter Lebensraum.

Langer Atem erforderlich

In der Umweltabteilung des Flughafens ist Julia Gotzler für Naturschutz, Ökologie und Umweltverträglichkeit zuständig. Ihre Aufgabe: Die 33-Jährige kümmert sich um ökologische und naturschutzfachliche Belange am Flughafen, sowohl im Bestand als auch in der Planung von Bauvorhaben. "Mein Job macht mir Spaß, das Schmetterlingsprojekt ist für mich neben den alltäglichen Aufgaben aber die Kür."

Freilich braucht die Landschaftsplanerin dafür einen lan- gen Atem: "Bedrohte Arten siedeln sich halt nicht von heute auf morgen an." Aber durch das auf fünf Jahre angesetzte Projekt bestehe für die Tiere die reelle Chance, sich unter op- timalen Bedingungen nachhaltig entfalten zu können. Man möchte allen Beteiligten Erfolg wünschen: Julia Gotzler und natürlich ihren Schützlingen, den seltenen Schmetterlingen aus dem Freisinger Moor.

Ameisenbläuling und Ameise – ein merkwürdiges Verhältnis

Die Raupe des Ameisenbläulings lässt sich nach ihrer dritten Häutung zu Boden fallen und sondert aus speziellen Honigdrüsen eine süße Flüssigkeit ab. Ameisen tragen die Raupe als Honiglieferant in den Bau. Dort überwintert die Raupe, liefert Honig, frisst aber heimlich Ameisenlarven. Sobald der Schmetterling nach der Verpuppung schlüpft , muss er den Ameisenbau schleunigst verlassen: Er wird jetzt von den Ameisen als Feind erkannt, die Tarnung ist aufgeflogen.

Mehr erfahren: Bedürfnisse der Schmetterlinge