"Viel mehr als nur grün"

Nachhaltig nennen Unternehmen heute ja schon fast alles, was entschlossen angegangen werden soll. Was versteht man wirklich unter diesem Begriff?

Nachhaltigkeit kommt ja ganz ursprünglich aus der Forstwirtschaft und hat dort den langfristig angelegten, verantwortungsbewussten Umgang mit der Ressource Holz bezeichnet. In diesem engeren Sinn bedeutet Nachhaltigkeit, dass man nicht mehr verbraucht, als nachwächst.

Was bedeutet das für einen Flughafen? Ist Nachhaltigkeit da überhaupt machbar?

Wenn Sie CO2-neutrales Fliegen meinen: nein, soweit sind wir noch nicht. Natürlich könnten wir Kompensationszertifikate kaufen und uns dann klimaneutral rechnen. Aber viel wichtiger finde ich, dass wir als Flughafenbetreiber den Anteil an Treibhausgas-Emissionen, für den wir mittelbar oder unmittelbar verantwortlich sind, soweit es geht reduzieren.

Und das tun wir auch: so hat sich der Flughafen München verpflichtet, bis 2020 sämtliches Wachstum inklusive der Baumaßnahmen klimaneutral zu bewerkstelligen – bezugnehmend auf das Basisjahr 2005. Das erreichen wir durch ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Eine wichtige war letztes Jahr das neue Blockheizkraftwerk, das im November in Betrieb gegangen ist. Der Neubau des Satellitengebäudes wird um 40 Prozent energieeffizienter sein als bestehende Gebäude, etwa durch eine Klimafassade, moderne Klimatisierungstechnik oder LED-Beleuchtung.

Aber Klimaschutz ist nicht der einzige Bereich, mit dem sich das Nachhaltigkeitsmanagement befasst?

Nein, ganz und gar nicht. Klimaschutz ist zwar ein wesentlicher Bereich unserer Aktivitäten, aber Nachhaltigkeit ist viel mehr als nur grün und sollte nicht immer nur aus der ökologischen Perspektive betrachtet werden. Wir schauen uns deshalb alle Themen an, die für eine nachhaltige Entwicklung des Unternehmens von Bedeutung sind, und verstehen darunter einen verantwortungsvollen, also nicht verschwenderischen Umgang mit allen unseren Ressourcen.

Welche weiteren Ressourcen meinen Sie?

Zum Beispiel unsere Mitarbeiter – auch wenn ich in diesem Zusammenhang nicht von Ressourcen sprechen würde. Hier haben wir große Verantwortung, daher befassen wir uns auch mit Themen wie Gesundheitsmanagement, Burnout, Diversity, Motivation. Nachhaltigkeit betrifft aber auch unsere Beziehung zu Airlinekunden oder unseren Fluggästen. Es ist ein sehr vielseitiges, komplexes und langfristig angelegtes Thema. Daher haben wir das Nachhaltigkeitsmanagement in der Konzernstrategie angesiedelt. So können wir Nachhaltigkeit als eine Art Querschnittsfunktion verstehen und bei allen Entscheidungen von Beginn an mitdenken.

Wie organisiert man Nachhaltigkeitsmanagement in einem Unternehmen wie dem Flughafen?

Zunächst dadurch, dass wir berichten. So erstellen wir schon seit 2008 Nachhaltigkeitsberichte nach der Global Reporting Initiative, seit 2011 auch nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex. Seit einigen Jahren haben wir den Geschäfts- und den Nachhaltigkeitsbericht integriert. Wir hatten früher schon viel im Bereich Nachhaltigkeit getan, haben aber erst mit den Berichten alle Maßnahmen transparent dargestellt. Damit können wir uns mit anderen und andere sich mit uns vergleichen. Das erzeugt Dynamik.

Wo haben Sie bereits Veränderungen angestoßen?

Wir haben seit letztem Jahr die Prüfbescheinigung eines Wirtschaftsprüfers auch für die nicht-finanziellen Kennzahlen in unserem integrierten Bericht. Dazu gehören zum Beispiel Aussagen über Geschlechtsverteilungen, Weiterbildungsquoten, die Inanspruchnahme von Elternzeit oder die Etablierung eines Gesundheitsmanagements. Aus all diesen Kennzahlen lassen sich Maßnahmen ableiten, und viele davon haben wir bereits eingeleitet, nach einer Wesentlichkeitsmatrix der wichtigsten Themen. Solche Ziele umzusetzen, erfordert langjährige Arbeit und ist oft mühselig, am Ende aber sehr sinnvoll.

Wozu dieser ganze Aufwand?

Weil wir als Flughafen stark öffentlich wahrgenommen werden und daher mehr als andere Unternehmen nachvollziehbar verantwortlich handeln wollen. So wie zum Beispiel „Fair Trade“ im Handel ist oder „Bio“ bei Lebensmitteln, so ist auch für den Flughafen München Verantwortung Teil seiner Marke.

Wie stehen Sie im Vergleich zu anderen Unternehmen?

Das will ich nicht bewerten, jedes Unternehmen hat seine eigene To-do-Liste. Ich denke, dass wir da durch Kooperation noch einiges voranbringen können, schließlich sind am Campus über 500 Firmen aktiv. Und gemeinsam kann man noch viel mehr bewegen.

Auf welche Resonanz stoßen Sie mit dem Thema Nachhaltigkeit im Unternehmen?

Ganz ehrlich: von Anfang an nur positiv. Das Unternehmen weiß um die Bedeutung dieses Themas gerade für einen Flughafenbetreiber. Natürlich geht nicht immer alles, manchmal gibt es technische, manchmal finanzielle Grenzen. Aber es gibt einen Grundkonsens, dass es wichtig und richtig ist, was wir tun.

Was ist Ihr Ziel, was würden Sie in dieser Aufgabe gern noch erreichen?

Ich würde mich freuen, wenn wir für unsere Anstrengungen im Bereich Nachhaltigkeit außerhalb des Unternehmens noch mehr wahrgenommen werden. Ich denke da auch an die öffentliche Diskussion um den Bau der dritten Start- und Landebahn. Mir scheint, dass man da nicht immer wahrnimmt, was wir alles leisten in punkto Nachhaltigkeit.