Gepäckförderanlage bei laufendem Betrieb auf 45 Kilometer Länge ausgebaut

Es läuft rund im Untergrund

Gepäckförderanlage bei laufendem Betrieb auf 45 Kilometer Länge ausgebaut

Die Erweiterung der Gepäckförderanlage im Terminal 2 ist nach gut vier Jahren abgeschlossen – im geplanten Termin- und Kostenrahmen. Die besondere Herausforderung dabei war, dass der Um- beziehungsweise Ausbau bei laufendem Betrieb durchgeführt wurde.

Bis zu 11 Mio. Passagiere im neuen Satelliten-Terminal

Im April 2016 eröffnet der Satellit – bis zu elf Millionen Passagiere können allein in diesem Gebäude künftig zusätzlich abgefertigt werden. Und mehr Passagiere bedeuten natürlich auch mehr Gepäck. Der Flughafen München ist aber schon jetzt bestens vorbereitet: Bereits 2011 wurde mit dem umfangreichen Umbau der Gepäckanlage im T2 begonnen, im Sommer 2015 wurde das Megaprojekt abgeschlossen – im geplanten Termin- und Kostenrahmen.

Das Ergebnis ist ebenso beachtlich: Die Förderanlage wurde von 40 Kilometer auf 45 Kilometer verlängert und das Gepäcksystem arbeitet nun wesentlich effizienter. So wurde die Gesamtkapazität des Systems um ein Drittel gesteigert!

"Wie bei einer Operation am offenen Herzen"

»Das Ganze lief ab wie bei einer Operation am offenen Herzen«, beschreibt Marco Butz, Leiter Prozesse und Zentrale Infrastruktur im T2 und Gesamtprojektleiter der Erweiterung, die umfangreichen Maßnahmen, die in drei großen Bauabschnitten bei laufendem Betrieb am Münchner Flughafen über die Bühne gegangen sind – meist im Untergrund und völlig unbemerkt für die Reisenden.

Das Ergebnis kommt ihnen in vollem Umfang zu Gute: »Trotz der steigenden Zahl an Gepäckstücken und den immer strengeren Sicherheitsanforderungen können die Koffer und sonstigen Gepäckstücke weiterhin mit gleichbleibender Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit transportiert werden. Besonders für Umsteiger ist das höchst relevant – wir wollen unseren Kunden im T2 schließlich auch weiterhin eine ›Minimum Connecting Time‹, also die kürzest mögliche Umsteigedauer von nur 30 Minuten bieten«, so Butz.

So funktioniert das »Kofferkarussell« im Untergrund

Um die Komplexität des Um- und Ausbaus zu erahnen, muss man sich eigentlich nur eine Vorstellung von den Dimensionen des vollautomatisierten Gepäckfördersystems machen: Die Anlage umfasst eine Fläche von 90.000 Quadratmetern – alleine im T2 sind das umgerechnet vier Fußballfelder.

Pro Stunde werden bis zu 12.000 Gepäckstücke mit einer Geschwindigkeit von bis zu 25 Kilometern pro Stunde transportiert, durchleuchtet und sortiert. 253 Steuerungen, 14.500 Förderelemente, 24.500 elektrische Antriebsmotoren sowie 22.000 Lichtschranken regulieren den Gepäckfluss. 500 Abzweigungen weisen den Koffern den richtigen Weg und sorgen dafür, dass jedes Gepäckstück schnellstmöglich sein Ziel erreicht.

Ein weltweit einmaliges Projekt

Damit es auch in Zukunft rund läuft im Untergrund, wurde zunächst der sogenannte Frühgepäckspeicher – hier werden Gepäckstücke zwischengelagert, welche die Reisenden zum Beispiel beim Vorabend-Check-in aufgegeben haben – von 3.900 auf rund 4.600 Stellplätze ausgebaut. Das entlastet das System spürbar, ebenso wie die Erhöhung der Speicherplätze für Leerwannen, die im Gepäcksystem zum Transport der Koffer dienen.

Im nächsten Schritt wurde das Fördersystem der Gepäcksortierhalle nach Norden hin erweitert und um zwei Entnahme-Karussells ergänzt. Im dritten Schritt wurde gut die Hälfte (!) der gesamten Sortiertechnik im T2 umgestaltet und ergänzt. So konnte auch hier eine Steigerung der Sortierkapazität um 30 Prozent erreicht werden. Dadurch wurden unter anderem ein weiteres Entnahmekarussell sowie eine zusätzliche Transfergepäckaufgabe realisiert.

Im T2- Ankunftsbereich kamen zwei weitere Gepäckausgabebänder hinzu. »Zum Gelingen des Megaprojektes trugen die präzise und detailgenaue Planung sowie die enge Abstimmung mit den in erster Linie operativen Bereichen des Flughafens bei«, so Siegfried Seelos, Leiter Zentrale Infrastruktur im T2. Rund 40 Airport-Mitarbeiter sowie externe Projektpartner sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Eine knifflige Aufgabe: »So ein Bauvorhaben im laufenden Betrieb wurde weltweit zum ersten Mal durchgeführt – daher konnten wir auch auf keine Erfahrungswerte von anderen Flughäfen zurückgreifen«, so Seelos. Wohl aber könnten andere Flughäfen mit ähnlichen Umbauvorhaben von der Expertise der Münchner profitieren ...