Trendwende Flugbewegungen

Pfingstreiseverkehr mit Rekordzahlen
Engpass auf den Bahnen

13.06.2016
Über zwei Millionen Passagiere haben den Flughafen München während der Pfingstferien für eine Flugreise genutzt. Insgesamt wurden für die Zeit vom 13. bis zum 29. Mai rund 18.000 Flüge angemeldet. Damit spiegelt der Pfingstverkehr die dynamische Entwicklung am Münchner Airport wider. Von allen deutschen Flughäfen hat er im aktuellen Sommerflugplan (Ende März bis Ende Oktober) den größten Zuwachs, die Zahl der Flugbewegungen steigt seit dem letzten Jahr wieder an. Dabei sind auf den bestehenden zwei Bahnen schon jetzt kaum mehr Zeitfenster für neue Verbindungen (Slots) verfügbar. Nur die dritte Start- und Landebahn würde Entlastung bringen und den Bedarf für die nächsten Jahrzehnte decken.

Mehr als zwei Millionen Passagiere in den Pfingstferien

Während sich viele Pfingsturlauber auf der Autobahn über Staus geärgert haben, konnten es sich Flugreisende in ihren Sitzen bequem machen und sich auf Sonne und Meer freuen. Was viele nicht wissen: Auch auf den Start- und Landebahnen am Flughafen kommt es gerade in den Stoßzeiten zu Engpässen. Sonne, Strand, Entspannung – Bayerns Urlauber sind wieder zurück aus ihren Ferienorten in aller Welt. Über zwei Millionen Passagiere haben den Airport während der Pfingstferien für eine Flug-reise genutzt. Insgesamt wurden für die Zeit vom 13. bis zum 29. Mai rund 18.000 Flüge angemeldet. Die meisten Starts in die Pfingstferien gingen auch dieses Jahr wieder ans Mittelmeer: 158 Flugzeuge hoben allein nach Palma de Mallorca ab, 111 nach Antalya. 320 Maschinen flogen zu Zielen in Nordamerika, 150 an den Arabischen Golf, 191 nach Asien.

Trendwende bei den Flugbewegungen

Damit spiegelt der Pfingstverkehr die dynamische Entwicklung am Münchner Flughafen wider. Von allen deutschen Flughäfen hat er im aktuellen Sommerflugplan (Ende März bis Ende Oktober) den größten Zuwachs: 49 neue Verbindungen und rund 11.000 angemeldete Starts und Landungen mehr als im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor – darunter der neue tägliche Flug mit Delta nach Detroit, die Direktflüge der Lufthansa nach Denver und Teheran sowie die neuen Transavia-Verbindungen: Die Tochtergesellschaft von Air France-KLM hat vier Flugzeuge fest in München stationiert und steuert damit ab Sommer 2016 18 Ziele an. Das macht 101 Starts pro Woche.

Bereits seit vergangenem Jahr steigt in München die Zahl der Flugbewegungen wieder an: 2015 legte sie um rund ein Prozent auf 380.000 zu. Die Anzahl der Passagiere wuchs sogar um mehr als drei Prozent auf einen neuen Rekordwert von 41 Millionen. Für das Jahr 2016 insgesamt rechnet man am Flughafen München mit 395.000 Flugbewegungen, das sind rund 15.000 beziehungsweise vier Prozent mehr als im Vorjahr – und zwar trotz Ereignissen wie den Anschlägen von Brüssel und Streiks.

Kaum mehr freie Zeitfenster

Doch der Anstieg an Bewegungen hat auch zur Folge, dass es kaum noch freie Zeitfenster, sogenannte Slots, für Starts und Landungen gibt. Ähnlich wie im Supermarkt oder auf der Autobahn gibt es auch am Flughafen Stoßzeiten. Damit sind die Bahnen an weiten Teilen des Tages dicht. Die Folge: So fehlten zum Beispiel für die Neuansiedelung der Airline Transavia lange die erforderlichen Slots. Transavia hat aufgrund der Engpässe am Flughafen München zahlreiche Einschränkungen hinnehmen müssen, und es war nicht einfach, der Fluggesellschaft die gewünschten Verbindungen zu ermöglichen. Der Flughafenkoordinator hat gemeinsam mit der Airline den Flugplan wiederholt überarbeitet, bis es für alle Beteiligten akzeptabel war. Es bestehen Slot-Engpässe nicht nur in München, sondern auch an zahlreichen Zielflughäfen.

"Wir suchen nach den letzten Möglichkeiten, aber lange geht das nicht mehr."

Wichtig zu wissen: Für die Vergabe der Slots ist generell der Flughafenkoordinator zuständig, eine unabhängige Institution. Der Airport kann lediglich beraten und durch Hinweise versuchen, die Airlines zu unterstützen: »Wir durchforsten den Flugplan und suchen im Detail nach den letzten Möglichkeiten«, sagt Andreas von Puttkamer, Leiter des Geschäftsbereichs Aviation am Flughafen München. Er warnt aber auch: »Es ist abzusehen, dass das nicht mehr lange geht.« Bereits jetzt muss der Flughafenkoordinator Anfragen abweisen. Denn das bestehende Zwei-Bahn-System am Münchner Airport hat während der Stoßzeiten kaum noch Kapazitäten.

Bedarf für Jahrzehnte decken

Die Folge: Es gibt kaum noch Entwicklungsmöglichkeiten. Für das Drehkreuz München mit seinen heute exzellenten Verbindungen hätte das gravierende Folgen – nicht nur für den Standort, sondern auch für die Menschen und die Wirtschaft in der Region, in Bayern und ganz Deutschland. Mit der dritten Bahn hingegen lässt sich die Kapazität von heute maximal 90 auf 120 Flugbewegungen pro Stunde erhöhen – und damit der Bedarf für Jahrzehnte decken. Die Kosten dafür stemmt der Flughafen aus eigener Kraft: Anders als bei den meisten Infrastrukturprojekten ist kein Cent Steuergeld erforderlich. Mit dem Bau der dritten Bahn schafft der Airport die Voraussetzung dafür, dass die Menschen in München und Bayern von ihrem Flughafen weiter so profitieren wie bisher: Er ist für sie Heimat, Job-Motor und millionenfach gelebte Verbindung weltweit – eben gut für Bayern. Mehr Informationen zur Notwendigkeit der dritten Start- und Landebahn: www.gutfuerbayern.de

Interview

Wieso das Zwei-Bahnen-System bereits jetzt am Limit ist

Die Zahl der Flugbewegungen am Münchner Flughafen ist ein Thema, das in der Öffentlichkeit stark und manchmal auch hitzig diskutiert wird. Dabei werden zum Teil nicht korrekte Zahlen gebraucht oder falsche Interpretationen. Der Grund dafür liegt nicht selten in der Unkenntnis des speziellen Geschäftsfelds Luftverkehr. Tatsächlich steigt die Zahl der Flugbewegungen wieder an: 2015 legte sie um rund ein Prozent auf 380.000 zu. Auch von Januar bis April 2016 stieg die Zahl der Flüge um 1,7 Prozent, die Zahl der Passagiere sogar um 2,6 Prozent – und zwar trotz Ereignissen wie den Anschlägen von Brüssel und Streiks. Im aktuellen Sommerflugplan (Ende März bis Ende Oktober) hat der Flughafen München von allen deutschen Flughäfen den größten Zuwachs: 49 neue Verbindungen und rund 11.000 Starts und Landungen mehr als im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor.

Die Leiterin Flugplan und Marktforschung Doris Anderl beantwortet dazu in diesem Video die wichtigsten Fragen: welche zentralen Trends es bei den Flugbewegungen gibt, wieso auf den bestehenden zwei Bahnen jetzt schon kaum mehr Zeitfenster für neue Verbindungen (Slots) verfügbar sind, und was der Flughafen gegen Staus auf der Piste machen kann.

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