Spitzentechnologie spart Treibhausgas

Spitzentechnologie spart Treibhausgas

12.07.2019
Mit einem tragfähigen, zukunftsorientierten Energiekonzept, zwei Energiezentralen und dem seit 2015 für rund 60 Millionen Euro komplett erneuerten hauseigenem Blockheizkraftwerk (BHKW) deckt der Flughafen München den Großteil seines Energiebedarfs umwelt- und klimafreundlich selbst. Der gesamte jährliche Energieverbrauch am Flughafen beträgt rund 485 Gigawattstunden. Durch modernste Technologie und Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung spart das BHKW jährlich rund 40.000 Tonnen CO2 ein.

Genug Strom für 50.000 Haushalte

Dafür treiben rund um die Uhr sechs große mit Erdgas betriebene Verbrennungsmotoren jeweils einen Stromgenerator an. Das BHKW am Flughafen München hat eine elektrische Erzeugungsleistung von rund 25 Megawatt – genug, um theoretisch 50.000 Privathaushalte mit Strom zu versorgen. „Wir erzeugen jetzt insgesamt jährlich rund 150 Millionen Kilowattstunden Strom“, sagt Rainer Hörl, beim Flughafen München verantwortlich für das Servicefeld Energie- Wasser- und Abfallwirtschaft. Vom gesamten Strombedarf decken so die eigenproduzierten Strommengen circa 70 Prozent.

Abwärme sorgt auch für Kühlung

Mit der Abwärme aus dem BHKW steht eine thermische Erzeugungsleistung von 25,4 Megawatt zur Verfügung. Diese wird in der kühlen Jahreszeit als Heizwärme eingesetzt. 80 Prozent der benötigten Heizwärme können somit abgedeckt werden. Die über das Heizkraftwerk Zolling zugekaufte Fernwärme wird außerdem zur Hälfte im dortigen eigenen Biomasseheizkraftwerk CO2-neutral erzeugt.

Im Sommer wird am Flughafen die Abwärme des BHKW‘s zu Kühlzwecken genutzt. Insgesamt fünf Absorptionskältemaschinen mit einer Gesamtleistung von 11,3 Megawatt, die die ausgekoppelte Wärme (Heißwasser) aus den BHKW-Modulen in Klimakälte umwandeln, decken den Grundlastbedarf an Klimakälte. Etwas schwieriger seien nur die Übergangsmonate, in denen weder geheizt noch gekühlt wird, erläutert Hörl: „Da können wir die Abwärme nicht nutzen und müssen die Energieproduktion etwas drosseln.“

Zwei Energiezentralen

Neben der Stromversorgung aus dem BHKW ist der Flughafen München an zwei öffentliche Hochspannungsnetze angeschlossen. Zu diesem Zweck existieren auf dem Flughafengelände zwei Energiezentralen mit den entsprechenden 110/20 kV-Umspannwerken. Die Energiezentrale „West“ beherbergt das komplette BHKW sowie die fünf Absorptionskältemaschinen und zwei zusätzliche Turbokältemaschinen (strombetrieben, zur Spitzenlastabdeckung).

Die Energiezentrale „West“ versorgt die Start- und Landebahnen, die gesamte zentrale Zone (Airport City) und alle Abnehmer westlich davon mit Strom und Kälte sowie den gesamten Flughafen mit Wärme. Die 2014 erbaute Energiezentrale „Ost“ versorgt das Terminal 2 und seit 2016 auch komplett den Satelliten sowie künftige Erweiterungen vorrangig Richtung Osten mit Strom und Kälte aus zwei Turbokältemaschinen (ab 2021).

Klimastrategie: CO2-Neutralität bis 2030

Der Flughafen München hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 Deutschlands erster CO2-neutral betriebener Flughafen zu werden. Durch technische Maßnahmen will der Münchner Airport den eigenen Energieverbrauch und damit seinen CO2-Ausstoß um insgesamt 60 Prozent senken. Die nicht weiter reduzierbaren verbleibenden 40 % sollen durch geeignete, möglichst regionale Klimaschutzprojekte kompensiert werden. Auf dem Weg dorthin unternehmen Techniker viele Schritte, um die Energieeffizienz zu steigern und den CO2-Ausstoß zu minimieren.

Seit 2005 konnten die Emissionen an Kohlenstoffdioxid von 162.000 Tonnen auf ca. 150.000 Tonnen in 2018 gesenkt werden. Dies gelang trotz eines Anstiegs von 28,6 Mio. Passagiere auf mittlerweile 46,3 Mio. Gleichzeitig stieg die Bruttogeschossfläche um mehr als 373.000 Quadratmeter seit 2005 Bezogen auf einen Passagier ist der Ausstoß von Treibhausgasen auf dem Münchner Flughafen in dieser Zeit um mehr als 30 Prozent gesunken. Ohne die über 150 Einzelmaßnahmen wäre der CO2-Ausstoss des Münchner Flughafens hingegen um rund 20.000 Tonnen gestiegen, bis 2020 würde er sogar um 50.000 bis 80.000 Tonnen ansteigen im Vergleich zum Basisjahr 2005.

Als ein Beispiel zum Thema Energieeffizienz ist der Neubau Satelliten Terminal 2 zu nennen. Dieser benötigt für den Betrieb nur noch in etwa 50 % Energie im Vergleich zum Terminal 2. Somit konnten auch die CO2-Emissionen halbiert werden. In der Abbildung sehen Sie ein Bauteil der dafür nötigen Klimafassade während der Montage.

Weitere Energiesparmaßnahmen

Die ehrgeizige Klimastrategie erfordert, dass auch in den nächsten Jahren eine Steigerung der Energieeffizienz erfolgt - um mindestens den Faktor, um den die Energieleistung aufgrund des Verkehrswachstums steigen würde. Erheblich investiert hat der Flughafen daher auch in so genannte PCA-Anlagen, die bei stehenden Flugzeugen am Terminal komplett die Wärme- bzw. Kälte-Versorgung übernehmen, so dass die Piloten die dafür vorgesehenen Hilfsturbinen an den Maschinen künftig ausschalten können. Die stationären Anlagen sind 2016 in Betrieb gegangen und sparen im Endausbau mehr als 23.500 Tonnen CO2 pro Jahr ein.