Alle Vöglein wieder da

Alle Vöglein wieder da

Das Vogelschutzgebiet "Nördliches Erdinger Moos" füllt sich wieder

19.04.2016

Jedes Jahr im Frühling kehren Brachvogel, Kiebitz und Co. aus dem Süden an ihren heimischen Brutplatz zurück. Dass es sich dabei um einen Flughafen handelt, scheint das Federtier nicht im Geringsten zu stören. Im Gegenteil: 40 gefährdete Vogelarten finden im Vogelschutzgebiet "Nördliches Erdinger Moos", in dem der Flughafen mit seinem gesamten Start- und Landebahn-System liegt, besonders geschützten Lebensraum auf einer Fläche von insgesamt 4.525 Hektar.

4.525 Hektar Schutzgebiet für bedrohte Arten

Ein Flughafen und ein Vogelschutzgebiet - passt das überhaupt zusammen? Die "Bewohner" sagen ja. Ein Beispiel ist der Große Brachvogel: "76 Paare haben im letzten Jahr auf dem Flughafengelände gebrütet - das war bayernweit die größte Brachvogelpopulation", erklärt Diplom-Biologin Marina Stern. "Für die vom Aussterben bedrohte Art bietet das Flughafengelände idealen Lebensraum: magere Wiesen mit sicheren Brutplätzen, wenig Störungen durch andere Tiere oder Menschen und ein Flughafenzaun, der natürliche Feinde abhält."

Das europäische Vogelschutzgebiet gibt es seit dem Jahr 2008. Fachleute hatten bei Planungsarbeiten für die dritte Start- und Landebahn bedeutende Bestände von geschützten Vogelarten wie dem Großen Brachvogel, dem Kiebitz, der Feldlerche, der Grauammer und der Wachtel auf dem Flughafengelände und in dessen Umgebung kartiert. Die Flächen des Flughafens und angrenzende Gebiete wurden daraufhin als hervorragende Lebensräume zum Europäischen Vogelschutzgebiet "Nördliches Erdinger Moos" erklärt. Das Schutzgebiet umfasst 4.525 Hektar, das entspricht einer Fläche von fast 6.400 Fußballfeldern.

"Alle Maßnahmen, die einen Eingriff in diese Zone darstellen, unterliegen seitdem strengen Richtlinien", so Hermann Blomeyer, Leiter der Umweltabteilung am Flughafen München. So entstehen auf dem Flughafengelände Gebäude und Nutzungsflächen, die für die Entwicklung des Drehkreuzes wichtig sind. Ist dabei ein Eingriff in das Schutzgebiet unausweichlich, sorgt der Flughafen dafür, dass die gefiederten Bewohner zum Ausgleich auf andere Lebensräume innerhalb der Schutzzone ausweichen können und während ihrer Brutzeiten nicht gestört werden.

Mehr erfahren: So funktiert das mit den Ausgleichsflächen

Vogelschutz und Drehkeuz kein Widerspruch auf unserem Flughafengelände

Viele Brutpaare ziehen ihre Jungen direkt auf den Wiesen neben den Start- und Landebahnen auf. "Zur Sicherheit im Flugbetrieb müssen Vögel dennoch immer mal wieder vergrämt werden", erklärt Marina Stern. "Trotzdem bleiben die Bestände der Tiere stabil." Dies zeigen die jährlich durchgeführten Bestandserhebungen der Vogelwelt auf den Flughafenwiesen. Gleichwohl zählt die Vogelschlagrate am Flughafen München im Vergleich zu anderen deutschen Verkehrsfughäfen zu den niedrigsten überhaupt. "Die Entwicklung der vergangenen Jahre beweist, dass Technik und Natur harmonisch nebeneinander existieren können", erklärt Blomeyer. "Mit Blick in die Zukunft erwarten wir eine positive Entwicklung - für das Vogelschutzgebiet und das Drehkreuz."

Vier der vierzig gefährdeten Vogelarten, die im "Nördlichen Erdinger Moos" besonders geschützten Lebensraum finden, sind der Große Brachvogel, der Kiebitz, die Grauammer und die Feldlerche. In den folgenden Steckbriefen werden sie vorgestellt.

Der Große Brachvogel

Größe:
50 bis 60 Zentimeter, Flügelspannweite: 80 bis 100 Zentimeter

Besondere Kennzeichen:
langer und stark nach unten gekrümmter Schnabel
wohlklingender, weittragender, flötender Gesang

Lebensraum:
Moore und Feuchtwiesen

Brutzeit:
April bis Juli

Gefährdung:
Der Große Brachvogel ist in Deutschland vom Aussterben bedroht (Rote Liste in der Kategorie 1). In Mitteleuropa brüten noch 11.000 bis 13.000 Brutpaare. In Bayern werden derzeit nur noch knapp 500 Paare gezählt, auch hier setzt sich der kontinuierliche, globale Negativtrend der Bestände fort.

Und so klingt der Brachvogel: Vogelstimme anhören

Der Kiebitz

Größe:
28 bis 31 Zentimeter, Flügelspannweite: 70 bis 80 Zentimeter

Besondere Kennzeichen:
spektakuläre Balzflüge
"Holle" (Federsporn) am Kopf

Lebensraum:
offene, flache Landschaften mit kurzer Vegetation, Feuchtwiesen, Heide und Moore

Brutzeit:
März bis Juni

Gefährdung:
Der Kiebitz gehört in Deutschland zu den streng geschützten Arten. Der Bestand noch auf 67.000 bis 104.000 Brutpaare geschätzt. In Bayern sind derzeit noch 6.000 bis 9.500 Paare vorhanden. Aufgrund seines raschen Bestandsrückgangs steht der Kiebitz auf der bayerischen Roten Liste in der Kategorie 2 (stark gefährdet). Fachleute sprechen vom "Sorgenkind der Zukunft".

Und so klingt der Kiebitz: Vogelstimme anhören

Die Grauammer

Größe:
16 bis 19 Zentimeter

Besondere Kennzeichen:
bildet kein Brutpaar, das Männchen verteidigt sein Revier, das Weibchen sorgt alleine für Nestbau, Brüten und Aufzucht der Jungen
nutzt den Flughafenzaun als Singwarte, metallisch klingender Gesang

Lebensraum:
extensiv genutztes Grünland, Ackerränder und Brachen

Brutzeit:
Mai bis August

Gefährdung:
Die Grauammer ist in Bayern vom Aussterben bedroht (Rote Liste, Kategorie 1). Hier findet man derzeit nur noch 600 bis 950 Brutpaare vor. Auch deutschlandweit gilt die Art als gefährdet. Im Vogelschutzgebiet "Nördliches Erdinger Moos" brütet die Grauammer nur noch innerhalb des Flughafenzauns. Außerhalb findet sie keine geeigneten Brut- bzw. Lebensräume mehr.

Und so klingt die Grauammer: Vogelstimme anhören

Die Feldlerche

Größe:
ca. 18 Zentimeter

Besonderes Kennzeichen:
stellt in Erregung ihre Scheitelfedern zu einer angedeuteten Haube auf
"steht" laut singend hoch oben in der Luft

Lebensraum:
offenes Gelände mit freiem Horizont, trockene bis wechselfeuchte Böden mit niedriger Vegetation

Brutzeit:
Mai bis Juli

Gefährdung:
Die Feldlerche wird immer seltener. Inzwischen steht die ehemals sehr häufige Art auf der Roten Liste Deutschlands für gefährdete Tierarten. Der Bestand in Deutschland wird auf 1,6 bis 2,7 Millionen Paare geschätzt. In Bayern gibt es noch 54.000 bis 132.000 Brutpaare, aber vor allem der Verlust von Lebensräumen führt jedes Jahr zu weiteren starken Bestandsrückgängen.

Und so klingt die Feldlerche: Vogelstimme anhören