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Anhörung zum Thema Ultrafeinstaub im Bayerischen Landtag

Experten fordern mehr Forschung und warnen vor Messungen durch Laien

14.12.2017

Der Umweltausschuss des Bayerischen Landtags hatte im November einen ausgewählten Kreis aus Feinstaubexperten und den Bürgerverein Freising zur Vermeidung von Lärm- und Schadstoffbelastungen e.V. zu einer Anhörung geladen. Diskutiert wurde sowohl das Thema Feinstaub als auch Ultrafeinstaub unter verschiedenen Aspekten. Die Experten, die nahezu den gesamten wissenschaftlichen Sachverstand zu diesem Thema repräsentierten, vertraten größtenteils die Meinung: es müssten gezielte Messkonzepte erstellt und Auswirkungen auf die Gesundheit erforscht werden, aber von Wissenschaftlern, nicht von Laien – eine Forderung, die der Flughafen München ausdrücklich unterstützt.

Zahlreiche ungeklärte Fragen

In der Anhörung der Experten wurde rasch deutlich, dass eine Reihe wesentlicher Fragen noch nicht beantwortet werden kann:

  • Zusammensetzung
    Während die Zahl der Ultrafeinstaubpartikel direkt gemessen werden kann, ist die genaue Zusammensetzung vor Ort meist unklar. Erschwerend kommt hinzu, dass die Zusammensetzung von Quelle zu Quelle unterschiedlich ist. Dabei entscheidet sie über die Verbreitung der Partikel ebenso wie über deren potenzielle Wirksamkeit im Körper.
  • Quelle Flughäfen
    Eine genaue Zuordnung, welche Partikel von welcher Quelle (beispielsweise Zubringerverkehr, Terminalbetrieb oder Flugverkehr) stammen, sei schwierig und sehr aufwendig – sagte Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, stellvertretender Direktor des Zentrums für Allergie und Umwelt an der Technischen Universität und Helmholtz Zentrums München, bei der Expertenanhörung im Bayerischen Landtag. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie forscht derzeit im Umfeld des Frankfurter Flughafens zu diesem Aspekt.
  • Verbreitung
    Da die ultrafeinen Partikel leichter sind als die etwas größeren, werden sie durch Wind auch weiter verteilt. Dadurch wird die Zuordnung zu Quellen schwieriger.
  • Wirkweise
    In der Diskussion ist Ultrafeinstaub deshalb, weil die sehr kleinen Partikel über die Atemwege in die Lunge gelangen können und theoretisch auch in die Blutbahn. Allerdings ist tatsächlich auch über die genaue Wirkungsweise von Ultrafeinstaub im menschlichen Körper bislang wenig bekannt. Es wird vermutet, dass Ultrafeinstaub die gleichen Auswirkungen auf Lunge, Herzkreislaufsystem, Stoffwechsel haben kann wie Feinstaub.
  • Grenzwert
    Im Gegensatz zum Feinstaub gibt es für Ultrafeinstaub weder Grenz- noch Beurteilungs- oder Empfehlungswerte. Um diese festzulegen sind genauere epidermiologische Studien notwendig, die Rückschlüsse auf die Wirkung im Körper zulassen. Laut Auskunft der Experten ist damit auch in den nächsten Jahren noch nicht zu rechnen.
  • Messungen
    Anders als beim Feinstaub gibt es für Ultrafeinstaub bisher kein standardisiertes Messverfahren. Einig waren sich die meisten Experten, darunter Dorothee Saar, Leiterin Verkehr- und Luftreinhaltung der Deutschen Umwelthilfe e.V., in ihrer Skepsis gegenüber selbst organisierten Messungen durch Laien. Diese Daten seien nicht aussagekräftig. Stattdessen wurde eine Ausweitung des staatlichen Monitorings mit einheitlichen Messstrategien vom Feinstaub auf den Ultrafeinstaub angeregt.

Mehr Forschung notwendig

Nahezu alle Experten haben sich wegen der vielen ungeklärten Fragen für deutlich mehr und gezieltere Forschungsprojekte ausgesprochen. Die Umweltexperten des Flughafens begrüßen wissenschaftlich fundierte Messmethoden und -konzepte zum Thema Ultrafeinstaub und unterstützen Maßnahmen, die zur Aufklärung offener Fragen dienen.

Definition und Entstehung von Feinstaub

Ultrafeinstaub ist definiert als Partikel mit einem Durchmesser von bis zu 100 Nanometern – das ist 1.000-mal kleiner als ein menschliches Haar. Diese kleinsten Feinstaubpartikel können direkt von einer Quelle in die Umgebung abgeben werden oder durch bestimmte Gase entstehen. Laut Umweltbundesamt sind in Deutschland die wesentlichen vom Menschen verursachten Quellen für Feinstaub in Landwirtschaft, Schüttgutumschlag, Industrie, Energiewirtschaft und Straßenverkehr zu finden. Natürliche Quellen sind Emissionen aus der Bodenerosion, Vulkanen und Meeren, Wald- und Buschfeuern sowie Algen, Viren, Sporen von Bakterien und Pilzen.

An der Anhörung teilnehmenden Sachverständigen